Mehrgenerationenhaus Dippelmühle in Bad Hersfeld

Dippelstraße 2 – Mauermühle
(heutige Dippelmühle)


Traditionsreicher, vor dem Frauentor gelegener Gewerbeplatz an einem von der Geis abgezweigten (heute trockengelegten) Mühlgraben.
Um 1860 wurde hier Garn gesponnen und gefärbt (nach Ziegler 1969). 1892 ließ der Lohgerber Martin Heinrich Rössing eine Dampfmaschine zur Unterstützung der Wasserkraft einbauen. Spätestens 1904 hatte der Gerber den Betrieb aufgegeben, denn nunmehr befindet sich das Anwesen der „Rössingsmühle“ im Besitz des Maurermeisters und Bauunternehmers Heinrich Bolender. Dieser stellte in der ehemaligen Gerberei Holzbearbeitungsmaschinen für die Schreinerei auf, unterhielt auf dem großen Nachbargrundstück (hinter den Nachbarhäusern Dippelstraße 4 und 6) seinen Bauhof und wohnte auch auf dem Anwesen. 1952 Domizil einer Kettenfabrik, heute zu Wohnzwecken genutzt.
Die ältesten Teile der dreiseitig geschlossenen Anlage des Mühlenhofs könnten noch aus dem 18. Jh. stammen (Ost- und Nordflügel, nach Brandversicherungsunterlagen beide aus dem Jahr 1806), der Westflügel dürfte um 1830/40 (nach Brandversicherungsunterlagen 1841) errichtet worden sein. Es handelt sich um zweigeschossige Fachwerkbauten, bei den älteren Teilen mit Mann-Figuren und leichter Vorkragung des Obergeschosses, bei den jüngeren mit geraden, geschoßhohen Streben und Zwerchhäusern zum Hof hin. Der Ostflügel, parallel zum außen vorbeifließenden Mühlgraben ausgerichtet, beherbergte die Gerber- bzw. Schreinerwerkstatt; das Wasserrad befand sich an der Ostfassade des Nordflügels mit dem hohen Sandsteinsockel. Hier arbeitete auch die Dampfmaschine.
Die Haustür des Nordflügels stammt aus der 1. Hälfte des 19. Jh. Der Sturz der Haustür zum Westflügel ist mit der Inschrift „Heinrich Bolender 1904“ und zwei Wappen versehen. Bohlender ließ 1913 eine doppelstöckige, hölzerne Veranda am Südgiebel des Westflügels anbauen. 1940 und 1941 folgten zwei Erker am OG des Westflügels, 1941 war ein weiterer am Nordflügel geplant.
Zur Dippelstraße hin haben sich neben dem Rest eines eisernen Gartenzauns mit Sandsteinpfosten (1880) zwei Pfeiler es Hoftores mit Radabweisern erhalten. (g, s)

Aus: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Landkreis Hersfeld-Rotenburg III. Stadt Bad Hersfeld, bearb. von Thomas Wiegand, Braunschweig/Wiesbaden 1999

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